Romanshorn (Transkription Nr. 61)

Schulort Romanshorn
Konfession des Orts: Gemischt konfessionell
Signatur der Quelle: BAR B0 1000/1483, Nr. 1463, fol. 48-51v
Standort: Bundesarchiv Bern
Kanton 1799: Thurgau
Distrikt 1799: Arbon
Agentschaft 1799: Romanshorn
Kirchgemeinde 1799: Romanshorn
Ort/Herrschaft 1750: Gemeine Herrschaft Thurgau (Gerichtsherrschaft des Fürstabts von St. Gallen)
Kanton 2015: Thurgau
Gemeinde 2015: Romanshorn
In dieser Quelle werden folgende 2 Schulen erwähnt:
19.02.1799

BEANTWORTUNG DER FRAGEN ÜBER DEN ZUSTAND DER SCHULEN ROMANSHORN.

I. Lokal-Verhältnisse.
I.1Name des Ortes, wo die Schule ist.

ROMANSHORN

I.1.aIst es ein Stadt, Flecken, Dorf, Weiler, Hof?

Romishorn ist ein ansehnliches Dorf.

I.1.bIst es eine eigene Gemeinde? Oder zu welcher Gemeinde gehört er?

Es ist eine eigne Gemeinde, wo die Kirche stehet, und derselbigen noch mehrere Dörfer eingepfart sind.

I.1.cZu welcher Kirchgemeinde (Agentschaft)?

Romishorn.

I.1.dIn welchem Distrikt?

Arbon,

I.1.eIn welchen Kanton gehörig?

Thurgäu

I.2Entfernung der zum Schulbezirk gehörigen Häuser. In Viertelstunden.

(diese wird nach Viertelstunden bestimmt; es heisst Z.B. innerhalb des Umkreises der nächsten Viertelstunde liegen 9 Häüsser, namlich an der Straß, zum Hoff, Gemerzhaussen, Mittelhoffen, und Oberhoffen, innerhalb des Umkreises der zweyten 10 Häusser, Hotterdingen, Castenstauden, Lochen, und Morüti, und innerhalb des Umkreises der dritten ein halbe Viertelstund 16 Häüsser, beyde Huben, Und Neü Haus.

I.3Namen der zum Schulbezirk gehörigen Dörfer, Weiler, Höfe.

A. Namlich an der Straß 1. Haus 0. [Kinder]
B. Zum Hoff 6. Häüser 0. [Kinder]
C Gemerzhausen 1. Haus 0. [Kinder]
D. Mittelhofen 1. Haus 2. Kinder.
E Oberhofen 1. Haus 0 [Kinder]
F. Hotterdingen 4. Häüser 0 [Kinder]
G. Castenstauden 2 Häüser 2 Kinder.
H. Lochen 2 Haüser 0. [Kinder]
J Morüti 2 Häüser 0. [Kinder]
K. Neü Haus 1 Haus 0. [Kinder]
L. Beide Huben 16 Häüser 11 Kinder.

I.3.aZu jedem wird die Entfernung vom Schulorte, und
I.3.bdie Zahl der Schulkinder, die daher kommen, gesetzt.
I.4Entfernung der benachbarten Schulen auf eine Stunde im Umkreise.

A. Utweil. Oberhäüseren, und Weilen
B. Utweil ligt ein halbe stund von Romishorn, hat eine Schule und ist ein eigne Pfarrgemeinde.
||[Seite 2] C. Oberhäüseren ist ein Dorf, hat eine Schule, und gehört in die Pfarr gemeinde Romishorn, Ligt eine stund davon.
D. Weilen ist ein Dorf, Ligt eine Stund von Romishorn, hat eine Schule, gehört in die Pfarr gemeind Egnach.

I.4.aIhre Namen.
I.4.bDie Entfernung eines jeden.
II.10Sind die Kinder in Klassen geteilt?

Ja in drey Klaßen, die erste Klaß sind die A b c Kinder, die andere Klaß sind die Kinder, welche buchstabieren, die dritte Klaß sind die Kinder, welche Lesen, Schreiben und rechnen lehrnen, ¢961¢¢ Es wird auch NachtSchul gehalten, welche bestimmt ist zu dem gesang; Alle Wochen drey Nächte, von Abend halb siben Uhr bis nacht 9 Uhr. die Nacht Schul wird gehalten von Martini bis Merzen. ¢/961¢¢

II. Unterricht.
II.5Was wird in der Schule gelehrt?

Buchstabenkenntniße, Buchstabieren, Lesen, Schreiben, Rechnen, und Singen.

II.6Werden die Schulen nur im Winter gehalten? Wie lange?

Nein, auch im Sommer, Von Martini bis Jakobi.

II.7Schulbücher, welche sind eingeführt?

Namen büchlein, klein und großer Lehrmeister, Zeügniß, Psalter, Psalmenbuch, Neües Testament, Wasers Schulbuchlein, Historien von Johann Hüebner, und Biblische Erzählungen von der ascetischen Gesellschaft zu Zürich.

II.8Vorschriften, wie wird es mit diesen gehalten?

Einiche geschrieben von unserem Bürger Pfarrer, und einiche von dem Schulmeister selbsten,

II.9Wie lange dauert täglich die Schule?

Von Morgen um 8. Uhr bis Mittag um 11 Uhr, Nach Mittag um ein Uhr bis Abend 4 Uhr.

III. Personal-Verhältnisse.
III.11Schullehrer.
III.11.aWer hat bisher den Schulmeister bestellt? Auf welche Weise?

der Pfarrer und die Vor gesetzten der Gemeind. Durch Examen und Zusprüche.

III.11.bWie heißt er?

Hans Ulrich Züllig.

III.11.cWo ist er her?

aus dem Dorf Romishorn

III.11.dWie alt?

Gebohren ANNO 1748 — DEN 18. JANUAR.

III.11.eHat er Familie? Wie viele Kinder?

Ja, 4. Knaben.

III.11.fWie lang ist er Schullehrer?

Sint ANNO 1777. Wurde ich zu einem Schulmeister und Vorsinger erwehlt, J in die Pfarrgemeinde Salmsach, welches {Amt } ich 8. Jahr in allem Treüen Versehen, und nach absterbung meines Seeligen Vatters ||[Seite 3] wurde ich zu einem Schulmeister und Vorsinger erwehlt, in der Pfarr gemeind Romishorn, wo die Schule gehalten wird.

III.11.gWo ist er vorher gewesen? Was hatte er vorher für einen Beruf?

Bey seinem Vatter Seelig in der Schule Romishorn. Eines Lein WandWebers.

III.11.hHat er jetzt noch neben dem Lehramte andere Verrichtungen? Welche?

Ja in den langen Sommer Tagen, Morgen und abend weben.

III.12Schulkinder. Wie viele Kinder besuchen überhaupt die Schule?

48.

III.12.aIm Winter. (Knaben/Mädchen)

Knaben. 29. Mädchen: 19

III.12.bIm Sommer. (Knaben/Mädchen)

Knaben. 16. Mädchen: 20

IV. Ökonomische Verhältnisse.
IV.13Schulfonds (Schulstiftung)

Jst der gleichen keine vorhanden, sondern ein jeder Haus Vatter zahlt für seine kinder, Namlich für ein jedes Kind wochentlich 3. xr.

IV.13.aIst dergleichen vorhanden?
IV.13.bWie stark ist er?
IV.13.cWoher fließen seine Einkünfte?
IV.13.dIst er etwa mit dem Kirchen- oder Armengut vereinigt?
IV.14Schulgeld. Ist eines eingeführt? Welches?

¢961¢¢ Ja, Nacht Schullohn, zahlt der Armen Pfleger aus dem Armen gut — 5 fl. ¢/961¢¢
Vorsingerlohn für ein Jahr wird bezahlt aus dem Kirchen gut 7 fl. 30 xr. zahlt der Kirchen Pfleger.

IV.15Schulhaus.
IV.15.aDessen Zustand, neu oder baufällig?

Ja, baufällig.

IV.15.bOder ist nur eine Schulstube da? In welchem Gebäude?

Nein, zwey. Jn zwey gemächern neben ein andern zu unterst, im ersten Boden.

IV.15.cOder erhält der Lehrer, in Ermangelung einer Schulstube Hauszins? Wie viel?

Nein, gar keinen.

IV.15.dWer muß für die Schulwohnung sorgen, und selbige im baulichen Stande erhalten?

Der Schulmeister selbsten, weil es sein Eigenthum ist.

IV.16Einkommen des Schullehrers.
IV.16.AAn Geld, Getreide, Wein, Holz etc.

An Geld, Getreide, Wein, Holtz, und der gleichen: folgende Quellen, ist nichts vorhanden.

IV.16.BAus welchen Quellen? aus
IV.16.B.aabgeschaffenen Lehngefällen (Zehnten, Grundzinsen etc.)?
IV.16.B.bSchulgeldern?

Werden bezahlt die armen Schul Kinder, für ein jedes Kind wochentlich 3 xr. bezahlt der Armen Pfleger, ¢961¢¢ samt dem Nacht Schullohn fl. 5. ¢/961¢¢

IV.16.B.cStiftungen?
IV.16.B.dGemeindekassen?
IV.16.B.eKirchengütern?

wird bezahlt der Vorsingerlohn fl. 7; 30 xr. Wochentlich ||[Seite 4] Wochentlich zahlt ein jeder Haus Vatter für jedes Kind 3. xr.

IV.16.B.fZusammengelegten Geldern der Hausväter?
IV.16.B.gLiegenden Gründen?
IV.16.B.hFonds? Welchen? (Kapitalien)
Bemerkungen
Schlussbemerkungen des Schreibers

ANMERKUNG. Die Schule zu Romishorn wäre jetzt etwa um 20 Kinder in der anzahl stärker, wenn nicht einiche launigte Haus Väter ihre Kinder mir entzäühen, und selbige in eine andere, benachbarte Schule schiken wurden; sie behaupten aber solche Freiheit zu haben, und aus üeben zu dörfen: Jnzwischen ist doch diese Verfahrens-art für einen Schullehrer verdrießlich und ihm nachtheilig: Zuletzt, wenn das ein und andere Kind auch in einer andern Schule nicht nach Wunsche des Vaters oder der Mutter profitiert, als dann bin ich gut genug, solche mir entzogene Kinder wieder anzunehmen.

Unterschrift

Romishorn. den 19. Tag Hornung 1799. Dies alles geschrieben von mir Hans Ulrich Züllig, Schulmeister Zu Romishorn.

Zitierempfehlung: